
Erkenne das Höchste, das in deinem tiefsten Inneren ruht
Ich bin nicht mein Körper, nicht mein Verstand. Ich bin reines Bewusstsein.
Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, ist entscheidend für die Umwandlung unserer Erfahrung des täglichen Lebens.
Unsere Wahrnehmung ist stets subjektiv und wird von all unseren bisherigen Erlebnissen geformt. Diese Prägung mag funktional für das Überleben sein, steht jedoch im Widerspruch zur ursprünglichen, klaren Natur unseres Geistes.
Der Unterschied zwischen dem, was wir projizieren, und dem, was wirklich ist, ist die Quelle unseres Leidens. Daher ist eine korrekte Wahrnehmung der Wirklichkeit vonnöten. Die Wirklichkeit ist weder gut noch schlecht; die Dinge sind, wie sie sind. Wenn wir dies akzeptieren, bestimmt unsere Vorstellung nicht mehr unsere Wahrnehmung, und wir erlangen geistigen Frieden.
Nagarjuna, einer der bedeutendsten Philosophen und Lehrer des zweiten Jahrhunderts, erkannte bereits damals: Wir besitzen zwar einen Körper und einen Verstand, doch ein völlig unabhängiges Leben können wir nicht besitzen, da nichts für sich allein existiert. Alles ist wechselseitig verbunden.
Wenn wir verinnerlichen, dass wir aus uns heraus kein Eigenwesen sind, erfüllt uns ein natürliches Gefühl von Zuneigung. Und wenn wir unser Leben nach dieser Verbundenheit ausrichten, werden wir von Mitgefühl und Liebe erfüllt sein.
Objekte der Erscheinungswelt sind nur Antreiber unseres Verstandes. Diese befinden sich außerhalb unseres Selbst und sind vergänglich. Das Anhaften an ihnen könnte daher negative Emotionen in unserem Geist hervorbringen. Zu glauben, etwas Äußeres könne uns dauerhaft glücklich machen, ist irreführend.
Im heutigen, sehr aktiven Leben erscheint es unmöglich an unserem Geist zu arbeiten und weiterhin unseren alltäglichen Pflichten nachzugehen. Es braucht Mut und Entschlossenheit. Um diese zu wecken und zu stärken, sollten wir den Blick nach innen wenden.
Wenn wir von Mitgefühl, Toleranz, Zuneigung und Liebe erfüllt sind, ebnet dies gewiss den Weg zum höheren Selbst. Wie man diese Qualitäten jedoch zu verinnerlichen übt, bleibt jedem selbst überlassen. Jeder Mensch entscheidet für sich, welche Praxis ihm am meisten zusagt und seinen Bedürfnissen entspricht. Dabei muss man sich jedoch eines bewusst machen: Wir können unsere Emotionen nur dann zu solchen Qualitäten transzendieren, wenn wir sie nicht verdrängen, sondern sie in ihrer Totalität und Urform erfahren.
Die mālā ist hierfür ein verlässliches Mittel; sie schärft die Bewusstheit und weist den Weg zur inneren Wirklichkeit.